Christoph 14 Traunstein, maritime Einsätze in Alpennähe

In Sichtweite der Alpen zwischen dem Chiemsee, Waginger See und dem Königssee, liegt die Stadt Traunstein. Auf dem Dach des dortigen Klinikums befindet sich der Hangar des „Christoph 14“. So vielfältig wie die geographischen Gegebenheiten sind, so anspruchsvoll sind auch die zu fliegenden Einsätze. „Christoph 14“ startete im Jahr 2008 1.373 Mal vom Dach der Klinik, um Menschen nicht nur bei Verkehrsunfällen oder schweren Akuterkrankungen zu retten, sondern auch, um Bergungen an Seen oder im Gebirge durchzuführen.

Da das Fliegen im Gebirge ein hohes Maß an Erfahrung erfordert, müssen künftige Rettungsflieger mindestens 500 Flugstunden nachweisen. Erst nach vielen Helikopter-Flugstunden im Flachland, die der Gewöhnung an die Rettungsfliegerei dienen, besteht die Aussicht auf einen Platz im Cockpit einer der beiden EC-135 T2i (Christoph 14 und 17) der Fliegerstaffel Süd.

Aber auch das Rettungspersonal ist nach Ihrer medizinischen Ausbildung nicht gleich an Bord des Rettungshubschraubers. Rettungssanitäter und Ärzte durchlaufen ein Bewerbungs- und Auswahlverfahren. Anschließend absolvieren Sanitäter eine zweimonatige und Ärzte eine einmonatige Ausbildung, um sie auf Ihren Einsatz an Bord eines Rettungshubschrauber vorzubereitet. Abschließend nach der Bergetaufortbildung und Stationseinweisung ist das Rettungspersonal fester Bestandteil der Besatzung von „Christoph 14“.

Der Dienstbeginn in den Sommermonaten ist früh. In der Regel wird „Christoph 14“ bei der Einsatzleitzentrale gegen 7 Uhr angemeldet. 30-45 Minuten vorher wird begonnen den Rettungshubschrauber aufzurüsten um ihn dann, abhängig vom Wetter, ganz oder nur zur Hälfte auf die Startplattform zu fahren. In den warmen Sommermonaten versucht man auf diese Weise die Innenraumtemperatur angenehm zu halten, da aus Gewichtsgründen auf eine Klimaanlage verzichtet wurde. Abgemeldet wird „Christoph 14“ nach Sonnenuntergang. Es folgt noch eine einstündige Nachbereitung, bevor die Rettungscrew in den Feierabend gehen kann.

Christoph 14 Galerie 1

Einsatzbereit wartet „Christoph 14“ jeden Tag auf seiner Rollplattform, um innerhalb von nur 1,5 Minuten nach dem Starten der beiden Turbinen abheben zu können. So kann die Maschine innerhalb von 12-15 Minuten jeden Einsatzort in einem Umkreis von 50 km erreichen. Um diese Zuverlässigkeit zu garantieren, müssen Mannschaft und Material immer auf dem neusten Stand der Technik sein und regelmäßig an Übungen und Schulungen teilnehmen. Aus diesem Grund nimmt die Rettungscrew zwei Mal im Jahr an der Bergetau-Rettung teil. Das sogenannte Bergetau-Verfahren mit dem System „Variables Tau“ wird für die Gebirgsrettung eingesetzt. Dabei wird das variable Tau an der Doppel-Lasthaken-Anlage der Maschine befestigt, und der Retter hängt sich mit seinem Abseilgerät daran. Da sich die Doppel-Lasthaken-Anlage direkt unter dem Hubschrauber befindet, wird das Inbetriebnehmen der Seilschaft in der Nähe des Einsatzortes vorgenommen. Der Retter seilt sich beim Eintreffen selbständig ab. Ein Einziehen des Taus nicht möglich ist, weswegen Retter und Geretteter auf der entsprechenden Länge des Taus, unter dem Hubschrauber hängend, bis zur nächsten Absetzmöglichkeit transportiert werden müssen.

Ebenfalls wird zweimal im Jahr die Wasser- und Eisrettung mit dem „Fixtau“ durchgeführt. Hier wird, anders als beim Einsatz mit dem vorherigen System, das Tau an der Hubschrauberzelle mit einer Sicherheitskupplung (TOST*-Kupplung) befestigt, welches bei Zwischenfällen sofort abgetrennt werden kann. Der Luftrettungsassistent steht während des Einsatzes auf der linken Landekufe, um den Piloten einweisen zu können. Anschließend wirft der als HCM (HEMS**-Crew-Member) ausgebildete Luftrettungsassistent das 40 Meter lange, mit einer Rettungsschlaufe versehen Tau dem zu Rettenden zu. Dieser hängt sich die Schlaufe um und kann nun so zum Uferrand gezogen werden. Ein aus dem Wasser haben der Person, ist mit diesem Verfahren nicht gelassen. Sollte der zu Rettende keine Kraft mehr haben oder bewusstlos sein, muss ein vorher an Bord genommener Wasserretter Wasser gelassen werden. Dieser hängt sich dann zusammen mit dem zu Rettenden an dem Tau ein.

Christoph 14 Galerie 2

Aber auch die Technik muss einsatzbereit sein. So werden die Wartungen nach 50 Stunden Flugbetrieb und kleinere Reparaturen im Hangar in Traunstein durchgeführt. Größere Defekte und die 100-Stundenwartung werden in den Wartungshallen der Fliegerstaffel Süd erledigt. Für die beiden von der Fliegerstaffel Süd bereitgestellten Rettungsmaschinen steht im Falle von Ausfallzeiten/Ausfällen ein Ersatz bereit.

Zum geschichtlichen Hintergrund der Rettungsfliegerei in Traunstein:

Die Rettungsfliegerei begann in Traunstein im Jahr 1971 mit einer Bell Jet Ranger durch eine Initiative von Herrn Chefarzt Dr. Franz Huber und der Firma Süd Helikopter (später Münchner Helikopter Service). Anfangs war die Bell Jet Ranger bei der Autobahnpolizei in Siegsdorf stationiert. Rettungsflüge wurden nur am Wochenende durchgeführt. 1972 zog der Rettungshubschrauber neben das Krankenhaus in Traunstein und bekam 1974 einen Hangar aus Wellblech.

Zwischen 1975 und 1976 pausierte der Flugbetrieb mit Rettungshubschraubern, bis am 10. September 1976 der erste „Christoph 14“ durch den damaligen Bundesinnenminister Prof. Werner Maihofer an den damaligen Staatssekretär Erich Kiesl übergeben wurde. Erich Kiesl überließ die neu eingeführte Maschine vom Typ Bo 105, dem Bayrischen Roten Kreuz für eine dauerhafte Nutzung am Stadtkrankenhaus Traunstein. Zwei Tage später wurden die ersten fünf Einsätze einer lange währenden Dienstzeit geflogen.

Der 700. Flug wurde keine zwei Jahre später, am 19. Februar 1978, durchgeführt, was 1981 der Jahreseinsatzbilanz entsprach.

Was sich die Crew eines Rettungshubschraubers niemals wünscht, passierte am 30. März 1982. Beim Anflug einer Unfallstelle musste der Pilot einer Starkstromleitung ausweichen und kollidierte mit einem Baum. An der BO 105 entstand ein Totalschaden und die drei Besatzungsmitglieder wurden so schwer verletzt, dass sie nun zum Teil selbst auf Hilfe aus der Luft angewiesen waren. Kein Jahr später, am 22. März 1983, erlebt „Christoph 14“ den bisher schwärzesten Tag in seiner Geschichte. Auf dem Rückflug geriet die Rettungscrew bei Gröben-Teisendorf in einen gefährlichen Schneesturm und stürzte ab. Durch diesen tragischen Unfall verloren der Pilot Nobert Müller, der Rettungssanitäter Mathias Reiter und die Ärztin Dr. Elisabeth Leitner-Ploss ihr Leben. Eine Gedenktafel, die an das schreckliche Ereignis erinnert, befindet sich im Aufenthaltsbereich des Klinikums Traunstein.

   
Listinus Toplisten