Bericht "Fliegerdemonstration Axalp 2006"

03:30 Uhr, mein Kopfkissen vibriert. Ich spüre einen Druck in meinem Rücken. Alles ist dunkel aber so langsam erhellt es sich im meinem Kopf wo ich bin. Es ist der 11.10.2006, ich liege in der Jugendherberge Brienz im Matratzenlager mit 16 anderen Personen und wir sind hier, weil wir zur „Axalp“ wollen. Mein Handy hat mich geweckt. Mein Nebenan liegt quer im Bett und rammt mir seine Füße in den Rücken. Jetzt heißt es schnell und leise sein. Meine Freundin habe ich geweckt und auch die anderen, die so früh hoch wollten, stehen mit auf. Katzenwäsche gemacht, Frühstück in den Rucksack gepackt, Tasse Tee runtergespült, auf geht es zum Auto. Es ist jetzt 04:30 Uhr, Sebastian wartet schon am Auto. Man gut, dass ich eine Standheizung habe, es ist doch recht frisch.
Alles einsteigen und die 20 minütige Fahrt von Brienz zum Parkplatz „Axalp Dorf“ beginnt. Oben angekommen, heißt es erstmal, die passenden Klamotten anziehen und Material aufnehmen und um exakt 05:00 Uhr beginnen wir den Aufstieg zum Fliegerschießplatz. Die erste ¾ Stunde geht es die Straße weiter hinauf, welche für Autos eigentlich gesperrt ist. Am Ende des asphaltierten Stückes stehen schon Autos, die uns während des Aufstieges überholt haben. Es ist noch dunkel, daher sieht man selbst mit den Stirnlampen nicht, was einen erwartet. Man sieht nur, einem Lindwurm gleich, eine Kette von Taschenlampen, die den Berg erklimmt. Auch wir reihten uns ein, in die Schlange der Stirnlampen und zogen den Berg hinauf. Der Aufstieg war nicht ganz ohne und das, obwohl in diesem Jahr kein Schnee lag und der ganze Aufstieg recht trocken und schlammfrei war. Ohne ein gewisses Vortraining ist der Aufstieg mit ca. 25 Kilo Ausrüstung kein Vergnügen.

Fliegerschießen Axalp Galerie 1

Um 07:35 Uhr haben auch wir, nach einigen kleinen Verschnaufpausen, unser Ziel erreicht. Jetzt hieß es, den Sonnenaufgang genießen und mit den ca. 300 Anderen warten, bis das Training um 09:00 Uhr beginnt.
Die Fliegerdemonstration Axalp ist eine Flugveranstaltung der Schweizer Luftwaffe auf dem Schiessplatz Axalp- Ebenfluh im Gebirge der Alpen auf 2250 Metern Höhe. Sie findet oberhalb der Axalp bei Brienz im Kanton Bern statt. In der Regel findet sie jährlich, jeweils an zwei Tagen, Anfang Oktober statt. Ein dritter Tag steht als Reserve zur Verfügung. Während des Zweiten Weltkrieges, im Juli 1942, bemerkte der Schweizer General Guisan, dass seine Piloten ihre Bomben zu ungenau abwarfen. Daraufhin befehligte er im Gebiet der Axalp, einen Schießplatz einzurichten. Am 07.10.1942 begann die Ausbildung im Erdkampfeinsatz auf dem Schießplatz. Seither fanden dort in regelmäßigen Abständen Übungen statt, die auch für die Öffentlichkeit, zugänglich waren. Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Einzug der Düsenflugzeuge, waren Venom, Vampire und ab 1964 auch der Erdkampfbomber Hunter die üblichen Kampfflugzeuge. Bald darauf ersetzten die Tiger F-5E und die Mirage die veralteten Vampire und Venom; in den 90er-Jahren wurden diese wiederum durch die McDonnell Douglas F/A-18C Hornet abgelöst. In den Festsetzungen der Schweizer Landesverteidigung wurde damit auch die Luftunterstützung gestrichen. Da aber das Üben mit der Bordkanone im freien Flug aus Sicherheitsgründen nicht durchgeführt werden darf, wird mit der Axalp-Übung das Schießen und die Beherrschung des Fluggerätes bewiesen.

Fliegerschießen Axalp Galerie 2

Es war kurz vor 09:00 Uhr. In der Ferne konnte man ein Grummeln hören. Eine gewisse Unruhe machte sich bei der inzwischen auf 1000 Personen angestiegenen Gruppe breit. Kommen Sie? Und sie kamen. 6 McDonnell Douglas F/A-18C Hornet, in zweier Gruppen stiegen vom Brienzer See über den Tschingel hinauf, vorbei am Axalphorn. Alle sind wach geworden. Da die Flugzeuge noch recht verhalten ihre Bahnen zogen, konnte man aus dem Hintergrund das schnelle Klicken der Spiegelreflexkameras hören. Das Grummeln wurde wieder leiser und auch ich machte meine Kamera fertig. In der Zwischenzeit wurde das Schießleitungspersonal mit der Aérospatiale SA 316B Alouette III auf Ihre Posten geflogen. Für den Notfall war vom REGA - Swiss Air Ambulance, eine Agusta A109K2 in Stellung gegangen.
Nun ging es Schlag auf Schlag. In Zweiergruppen kamen die Hornissen aus dem Westen angeflogen und schossen in kurzen Salben auf die, mit rotem Stoff markierten, Ziele. Die Ziele waren ca. 100 Meter von uns entfernt und in ähnlichem Abstand flogen auch die Flugzeuge, mit knapp unter Schallgeschwindigkeit, an uns vorbei. Das Knallen und Pfeifen der Geschosse und das Röhren der nachdrehenden M61A1/A2 Vulcan 20 mm Gatlinggun, wurde nur noch übertroffen von dem Donnern der beiden General Electric F404/402-GE-400 Turbofans mit je 79,16 kN Schub.

Die Hornets der Schweizer sind gegenüber den Maschinen anderer Länder speziell ausgestattet. Sie verfügt über einen seitlichen Suchscheinwerfer im vorderen linken Bereich des Cockpits. So wenig wie möglich Lastenaufnahmepunkte zur besseren Aerodynamik und einige Strukturbauteile sind aus Titan gefertigt um den vielen Landungen und Starts und der oft kurzen Reiseflugdauer in der Schweiz gerecht zu werden. Nach mehreren Überflügen und Schüssen aus verschiedenen Richtungen und Zielen, mischten sich die ersten Northrop F-5E Tiger II ins Geschehen ein. Die mit zwei ca. 22 kN starken Triebwerken und zwei 20 mm Pontiac M39A2-Kanonen mit je 280 Schuss ausgestatteten Maschinen, standen den Hornet in ihren Manövern in nichts nach. Die Maschinen werden wohl noch mindestens bis 2010 am Schweizer Himmel zu sehen sein. 12 Maschinen dieses Typs haben die Schweizer ihrem Nachbarn Österreich vermietet, wo sie als Übergangslösung bis zum Einsatz des Eurofighters „Typhoon“ verwendet werden. 32 weitere Maschinen wurden an die US- Navy verkauft. Somit schließt sich in der Schweiz wieder der Kreis, da aus den F-5 Prototypen „YF-17 Cobra“ später in Teilen die F/A-18 Hornet entwickelt wurde. Als „Elvis“ bekannt, trat nun Hauptmann Michael Reiner mit seiner Hornet, die die Registrierung „J-5010“ trägt, zum Training seines Solodisplays an. Wer diese Manöver sieht, der weiß warum er in Fairfort dieses Jahr der Gewinner im Solodisplay war.

   
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